Die Blue Zones-Formel für Betriebe: Ernährung, Bewegung, Sinn

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Verbessern Sie die Gesundheit und Produktivität Ihrer Mitarbeitenden. Entdecken Sie die Blue Zones-Prinzipien für die Umsetzung in der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Die “Blue Zones” sind Regionen auf der Welt, in denen Menschen signifikant länger und gesünder leben als im weltweiten Durchschnitt. Diese Bezeichnung entstand aus einem Forschungsprojekt (D. Buettner, S.Skemp, American Journal of lifestyle medicine, 2016), bei dem Wissenschaftler Gebiete mit einer hohen Konzentration an Hundertjährigen identifizierten. Zu diesen Regionen gehören Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica, Ikaria in Griechenland und Loma Linda in Kalifornien, USA.

Eine faszinierende Erkenntnis. Dieser Artikel zeigt die Faktoren auf, die – laut Studie – zu der bemerkenswerten Langlebigkeit (Longevity) in diesen Gebieten beitragen und gibt Einblicke, wie wir einige davon in unser tägliches Arbeitsleben integrieren können. Warum nicht einmal über “Blue Zones” im Arbeitsalltag nachdenken?

Definition und Entdeckung der Blue Zones

Die Bezeichnung “Blue Zones” wurde von Wissenschaftlern geprägt, die auf der Suche nach den Geheimnissen eines langen Lebens Regionen auf der Weltkarte mit blauen Stiften markierten, in denen Menschen überdurchschnittlich alt werden. Diese Forschungsreise führte zur Identifizierung von fünf Gebieten:

  • Okinawa (Japan),
  • Sardinien (Italien),
  • Nicoya (Costa Rica),
  • Ikaria (Griechenland)
  • und Loma Linda (Kalifornien, USA).

In diesen Gebieten leben Menschen nicht nur länger, sondern genießen auch eine bessere Gesundheit und Lebensqualität im Alter.

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Gemeinsame Merkmale der Blue Zones

Trotz der geografischen und kulturellen Unterschiede teilen die Menschen in den Blue Zones mehrere Schlüsselfaktoren, die zu ihrer Langlebigkeit beitragen:

  • Ernährung: Die Ernährung ist hauptsächlich pflanzenbasiert, mit einem geringen Fleischkonsum
  • Bewegung: Körperliche Aktivität ist ein natürlicher Teil des Alltags, es gibt keine spezifischen Trainingsroutinen
  • Soziale Einbindung: Starke familiäre und gemeinschaftliche Bindungen sind zentral
  • Stressreduktion: Es gibt etablierte Praktiken zur Stressbewältigung
  • Sinn und Zweck: Ein klar definiertes Lebensziel (wie das „Ikigai“ in Okinawa) gibt Richtung und Zufriedenheit

Blue Zones-Prinzip 1:
Gesunde, pflanzenbasierte Ernährung

Die Ernährung in den Blue Zones ist reich an Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse. Fleisch wird meist nur zu besonderen Anlässen verzehrt. Wasser, Kräutertees und in moderaten Mengen Wein (insbesondere in Sardinien) sind bevorzugte Getränke. Diese Ernährungsweise, arm an verarbeiteten Lebensmitteln und reich an natürlichen, nährstoffreichen Produkten, spielt eine Schlüsselrolle für die Gesundheit.

Blue Zones-Prinzip 2:
Bewegung als Lebensweise

Bewegung in den Blue Zones ist weniger eine Wahl als vielmehr ein unvermeidlicher Teil des Lebens. Ob es die tägliche Landarbeit in Sardinien, das Gehen auf den Hügeln Ikarias oder die Gartenarbeit in Okinawa ist, die körperliche Aktivität ist natürlich in den Alltag integriert.

Die Vorteile regelmäßiger Bewegung, die oft auch in Form kurzer, intensiver  Aktivitäten stattfindet, wurde in einer neuen Studie der Universität Sydney erneut(!) bestätigt. Die Lebenserwartung steigt, das Krebsrisiko sinkt.

Blue Zones-Prinzip 3:
Soziale und kulturelle Aspekte

Die starke soziale Bindung innerhalb der Familien und Gemeinschaften trägt wesentlich zur geistigen Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. Ältere Menschen sind integriert und werden respektiert, was ihnen ein Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit gibt. Traditionen und das Weitergeben von Wissen stärken das soziale Gefüge und unterstützen ein gesundes Altern.

Blue Zones-Prinzip 4:
Strategien zur Stressbewältigung

In den Blue Zones haben die Menschen Praktiken entwickelt, um mit Stress umzugehen. Dazu gehören Meditation, das Halten von Siestas, die Teilnahme an religiösen oder spirituellen Zusammenkünften und das regelmäßige Feiern von Gemeinschaftsfesten, die zur Entspannung und Regeneration beitragen.

Blue Zones-Prinzip 5:
Lebenssinn und Motivation

Ein klarer Lebenssinn ist ein weiteres gemeinsames Merkmal der Blue Zones. In Okinawa wird dies als „Ikigai“ bezeichnet, in Nicoya als „Plan de Vida“. Diese Konzepte beinhalten, dass jeder Tag mit einem klaren Ziel beginnt, was zu einer hohen Lebenszufriedenheit führt.

Lebensprinzip: Plan de vida

Lebensprinzip: Ikigai

Anwendung der Blue Zones Prinzipien im Alltag

Die Prinzipien der Blue Zones können auch in einem modernen Kontext angewendet werden, indem man seine Ernährung anpasst, mehr Bewegung in den Alltag integriert, soziale Bindungen stärkt, effektive Stressbewältigungsstrategien entwickelt und einen persönlichen Sinn im Leben findet. Wie könnte die Blue Zones-Formel den Arbeitsalltag gesünder machen? Können diese Regeln Anregungen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement liefern?

Blue Zones-Prinzipen in der Betrieblichen Gesundheitsförderung

  • Förderung einer gesunden Ernährung: Die typischen Ernährungsgewohnheiten in den Blue Zones decken sich mit  evidenzbasierten  Ernährungsempfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) oder der mehr nachhaltig orientierten Planetary Health Diet (PHD).  Sie können als Modell für die Gestaltung von Betriebskantinen und die Bereitstellung gesunder Snacks am Arbeitsplatz dienen. Unternehmen können Mitarbeiter dazu ermutigen, mehr pflanzenbasierte Lebensmittel zu konsumieren und Informationsveranstaltungen zum Thema gesunde Ernährung anbieten.
  • Integration von mehr Bewegung in den Arbeitsalltag (bei Schreibtischarbeit): Die natürliche körperliche Aktivität, die in den Blue Zones allgegenwärtig ist, spiegelt die Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit wider. Betriebliche Gesundheitsprogramme können durch die Etablierung von Bewegungspausen (Aktive Pause), die Bereitstellung von Fitnessräumen oder die Organisation von Team-Sportevents Bewegung fördern.
  • Stärkung sozialer Bindungen: Die Wichtigkeit starker sozialer Bindungen und Gemeinschaften in den Blue Zones unterstreicht den Nutzen eines positiven sozialen Umfelds am Arbeitsplatz. Firmen können dies durch Team-Building-Aktivitäten, gemeinsame Challenges und Gesundheitsaktionen, die Förderung einer offenen Kommunikationskultur und die Schaffung von Räumen für soziale Interaktion unterstützen.
  • Effektives Stressmanagement: Die in den Blue Zones praktizierten Strategien zur Stressbewältigung können in Aktionen zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens am Arbeitsplatz integriert werden. Workshops zu Achtsamkeit, Business Yoga-Kurse oder flexible Arbeitszeitmodelle sind Beispiele, wie Unternehmen ihren Mitarbeitern helfen können, Stress zu reduzieren. In Programmen wie Gesundheit|bewegt, oder AOK bewegt können E-Learning-Kurse zum Selbstmanagement, Resilienz, gesunden Routinen genutzt werden.
  • Förderung eines Lebenssinns im Beruf: Die Idee des Ikigai, einen persönlichen Lebenssinn zu finden, der mit der Arbeit in Einklang steht, ist besonders relevant für das Employer Branding und die Mitarbeiterbindung. Unternehmen können Mitarbeiter dabei unterstützen, ihre individuellen Stärken und Leidenschaften zu erkennen und diese in ihrer täglichen Arbeit einzubringen. Dies kann durch individuelle Entwicklungspläne, Mentoring-Programme oder die Förderung von Projekten, die den persönlichen Interessen der Mitarbeiter entsprechen, geschehen.
    Ähnlich wie Ikigai betont auch „Plan de Vida“ die Bedeutung von Zielen und einem klaren Lebenssinn. Unternehmen können dieses Konzept nutzen, um Mitarbeitern bei der Karriereplanung zu helfen und sie zu ermutigen, langfristige persönliche und berufliche Ziele zu setzen und zu verfolgen.
 

Die Blue Zones bieten einen anderen Blickwinkel auf die Faktoren, die zu einem langen Leben bei guter Gesundheit beitragen. Ihre Bewohner zeigen, dass eine Kombination aus gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung, starken sozialen Bindungen, effektivem Stressmanagement und einem klaren Lebenssinn entscheidend ist.

Die direkte Übertragung dieses Lebensstils auf unsere moderne Gesellschaft und den modernen Arbeitsalltag ist natürlich weder einfach noch ohne Anpassungen möglich. Doch warum nicht von diesen Vorbildern lernen und Praktiken adaptieren, um unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu verbessern. Eine bewusstere Tagesgestaltung, inspiriert von den Blue Zones, kann uns helfen, nicht nur länger und glücklicher zu leben, sondern auch den Arbeitsalltag sinnstiftender und gesünder zu gestalten.

FAQs zu Blue Zones in der Betrieblichen Gesundheitsförderung